Star-Herzchirurg René Prêtre wird von einer zweifelhaften Studie eingeholt


René Prêtre im Fernsehstudio von RTS, wenige Tage nach Publikation meines Artikels. (Quelle: RTS)

Höher als René Prêtre kann ein Arzt nicht aufsteigen. Seit der Herzchirurg 2009 zum Schweizer des Jahres gewählt wurde, ist er landesweit bekannt. Homestorys auf dem elterlichen Bauernhof, seitenlange Interviews, Fotos im Operationssaal. Die Presse liebt ­Prêtre und seine Geschichte vom bescheidenen Bauernbub aus dem Jura, der den elterlichen Hof übernehmen wollte und dann Chefarzt wurde. Er ist nicht einfach nur ein Mediziner. Für die Spitäler, für die er arbeitet, ist er ein Symbol mit Strahlkraft. Mittlerweile ist Prêtre Leiter der Herzklinik am Universitätsspital Lausanne und Chef der Kinderherzchirurgie in Genf. Prêtre sei «einer der angesehensten Herzchirurgen der Welt», heisst es im Werbetext zu seiner Autobiografie.


Doch der Starchirurg wird von einer zweifelhaften wissenschaftlichen Studie eingeholt. Erstmals veröffentlichte Briefe seines ehemaligen Chefs und Aussagen von Zeugen beschuldigen Prêtre, er habe Patienten für die Studie erfunden. Die Publikation wurde nie zurückgezogen.


Eine Begutachtung durch den damaligen Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Genf kam zum Schluss, dass die Studie «auf realen Patientendaten basiert war». Doch sie konnte nie klären, warum Patientendossiers nicht in den Archiven des Universitätsspitals zu finden waren.


Prêtres ehemaliger Chef bestritt drei Jahre später, dass es diese Untersuchung überhaupt je gab. Und er glaubte bis zu seinem Tod 16 Jahre danach, dass die Patienten erfunden seien.


Den ganzen Artikel und die erstmals publizierten Originalbriefe sehen Sie hier bei CH Media.