Kampfjet-Korruption: Die Spur führt nach Hergiswil

Ein Nidwaldner Treuhandbüro soll im Zentrum einer grossen Bestechungsaffäre stehen. Es geht um Kampfjets, die die österreichische Regierung gekauft hat. Einer der Verwaltungsräte der Hergiswiler Firma war Kampfjet-Lobbyist. Doch die Inhaber bestreiten jede Beteiligung vehement. Ein Indiz scheint gefälscht zu sein.



Vor 16 Jahren begann eine der grössten Korruptionsaffären Mitteleuropas. Damals kaufte die österreichische Regierung Kampfjets vom Typ Eurofighter. 180 Millionen Euro Bestechungsgeld sollen an Entscheidungsträger geflossen sein. Eine Taskforce des Verteidigungsministeriums, Staatsanwälte und drei parlamentarische Untersuchungskommissionen haben ermittelt. Doch verschachtelte Briefkastenfirmen bereiten den Behörden Kopfzerbrechen.


Am Mittwoch berichteten das Wiener Magazin „Falter“ und weitere österreichische Medien über eine neue Spur. Sie führt in die Schweiz. Genauer: zu einem Treuhandbüro in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Doch ist die Spur echt? Zwei damalige Verwaltungsräte des Treuhandbüros bestreiten jede Beteiligung vehement. Ein Scheck über 1,5 Millionen Euro stellt sich als möglicherweise gefälscht heraus. Gleichzeitig gibt einer der Treuhänder zu, eine in der Korruptionsaffäre beschuldigte Politikerin getroffen zu haben. Ein Zweiter hat erhebliche Verbindungen zur Kampfjet-Industrie.


Die Spur nach Hergiswil legt ein anonymer Whistleblower. Er hat einen zweiseitigen Brief an die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft geschickt. Eine Kopie liegt CH Media vor. Laut Falter nehmen die Ermittler die Hinweise „sehr ernst“. Der Hinweisgeber beschreibt detailliert, wie 1,5 Millionen Euro Schmiergeld im Jahr 2006 über Hergiswil von verschachtelten Briefkasten-Firmen der Eurofighter-Hersteller zu österreichischen Politikern geflossen sein sollen. Elisabeth Kaufmann-Bruckberger, damals Geschäftsführerin einer Werbeagentur der Partei Bündnis Zukunft Österreich, habe das Geld abzüglich 100'000 Euro bei einer Briefkastenfirma deponiert, die vom namentlich genannten Hergiswiler Treuhandbüro verwaltet worden sei. Dort sei das Geld bar abgehoben worden.


Im Verwaltungsrat des Treuhandbüros sassen damals drei Zentralschweizer (alle Namen der Redaktion bekannt). Zwei davon sind Treuhänder, beide sind jeweils bei über 40 Firmen im Verwaltungsrat oder haben eine Unterschriftenberechtigung. Sie äussern sich gegenüber dieser Zeitung erstmals. Der eine Verwaltungsrat, der heute noch Geschäftsführer ist, bestätigt auf Anfrage, Elisabeth Kaufmann-Bruckberger mindestens einmal geschäftlich getroffen zu haben. Es sei aber nie um Kampfjets oder Korruptionsgeld gegangen: „Der Kontakt kam über eine Musical-Produktion in Deutschland zustande. Die Sache wurde aber nicht verwirklicht. Frau Kaufmann-Bruckberger war nie an einer meiner Gesellschaften beteiligt und nie meine Kundin“, sagt er. „Meine Firma hat mit dieser Korruptionsaffäre absolut gar nichts zu tun und wird unschuldig in den Dreck gezogen.“ Er sei bereit, mit der österreichischen Justiz zusammenzuarbeiten und könne ausschliessen, dass seine Firma etwas mit Geld aus nicht-korrekten Quellen zu tun gehabt habe.


Sein ehemaliger Verwaltungsratskollege hatte enge Verbindungen zu einem Kampfjethersteller.


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