Der Big Brother aus dem Jura

Die elektronische Fussfessel einer Schweizer Firma will Verbrechen vorhersagen können.




Auf der Karte bewegt sich das Porträtbild eines Mannes – mitte zwanzig, braune Haare – langsam vorwärts. Sein üblicher Weg, von der Arbeit nach Hause, ist mit grünen Pfeilen vorgezeichnet. Doch diesmal weicht der Mann davon ab. Orange blinkt es auf: «Alarm, Verhaltensänderung.» Darunter: «Mittleres Risiko, empfohlene Aktion: Täter kontaktieren.»

Was klingt wie die Überwachungsdiktatur aus einem Science-Fiction-Thriller, ist ein Werbefilm der Firma Geosatis aus Le Noirmont im Kanton Jura. Das Unternehmen baut elektronische Fussfesseln für Straftäter. Eigentlich ist die Firma noch ein Start-up. 2011 wurde sie als Spin-off der ETH Lausanne gegründet. Heute sind Zehntausende der Fussfesseln auf vier Kontinenten im Einsatz.


Die Swisscom hat über ihr Start-up-Programm einen Millionenbetrag investiert. Laurent Dassault – ein Spross der milliardenschweren Dassault-Familie, deren Firmen zum Beispiel den Kampfjet Rafale produzieren – ist ebenfalls unter den Investoren. Ein wenig voreilig bezeichnet sich Geosatis auf seiner Website als «global leader» bei der elektronischen Überwachung. «Nicht in Bezug auf die Anzahl Geräte», präzisiert der operative Geschäftsleiter Mehdi Megdiche. «Aber wir sind weltweit Technologieführer.»


Die Jurassier haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen Straftaten vorhersehen. Oder mindestens erkennen, wann das Risiko steigt, dass jemand mit einer Fussfessel erneut straffällig wird. In den ausgelieferten Geräten hat es bereits Sensoren, die Bewegung und Beschleunigung messen. Ähnlich wie eine Smartwatch. Technologie-Chef Rashed Moussa sagt: «Im Moment werden die Daten aus gesetzlichen Gründen nicht gesammelt. Aber wir könnten damit erkennen, ob jemand liegt, läuft, rennt oder gerade eine spezifische Sportart ausführt. Sogar die Schlafqualität des Fussfesselträgers ist messbar.»





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